Bluesnacht

Richtig tanzbar: Brücke zwischen Melancholie und sprühender Leidenschalft

Out of Blue mit erdigem Blues im Holzkirchner Fools Theater

von Johanna Wieshammer

Holzkirchen - Nur in wenigen Clubs und Bars ist er noch zu hören, der erdige, ergreifende Sound des ursprünglichen Blues, den Out of Blue als Quelle nutzen, und mit dem die Band den Bühnenraum des Holzkirchner Fools Theaters in stimmige Club-Atmosphäre tauchte.
"The swingin Rhythm'n'Blues Show", unter diesem Motto wurden die Gäste verwöhnt mit einem breiten Spektrum von Rhythm'n'Blues über Rock'n'Roll bis hin zu Jazz und eben Blues mit einer ordentlichen Portion Swing.
Kontinuierlich sorgte dass tollwood-erfahrene Sextett aus dem Raum Aichach für ein ansteigendes Stimmungsparameter: mit einem explosiven Mix aus feurigem Groove und Drive, der sich auf der Bühne entlud, und an die gemütlich dekorierten Tische übertrug, und der es selbst ruhigeren Zuhörern im Publikum schwer machte, sich seiner mitreißenden Wirkung zu entziehen. Nicht im Geringsten trist, vielmehr richtig tanzbar, schlugen die Musiker eine Brücke zwischen bluesiger Melancholie und sprühender Leidenschaft, die sie mit ihrem emotional geladenen Spiel höchst authentisch beschritten.
Zwar ließ sich letztlich kein einziger Zuhörer von den Stühlen oder gar Richtung Bühne zum Tanzen locken. Doch ganz seriös im lässig-eleganten Bühnenautfit, gewährte die junge Formation den rund 80 Gästen nur wenige Atempausen und durchwegs gute Laune.

 

 

Auch wenn viele alt bekannte Titel die Basis bildeten - "Sunny" oder "Tell me baby" von B.B. King beispielsweise -, Out of Blue ließen sich zwar hörbar davon inspirieren, drückten ihren Versionen aber eine eigene Marke auf. Dabei bestach die Gruppe nicht nur durch überzeugendes Tuttispiel, sondern vor allem durch geradezu virtuose Solo-Leistungen. Ein besonders emotionalisierender Faktor: die samtig-voluminöse Bass-Stimme von Mark Dominik Hoppe. Pause hatte er bei Instrumentalstücken wie "Jump the Blues", das vor allem Gitarrist Andreas Reich in den Mittelpunkt stellte, und zu dem die Akteure im Hintergrund - Markus Kramer (Klavier), Elmar Hartmann (Schlagzeug), Peter Merl (Bass) und Siggi Obst (additional drums) - viel Gefühl für Spannung und die nötige Dynamik beisteuerten. Abstecher führten in Country-Gefilde mit Johnny Cashs "Cocain Blues". Richtig funkig wurde es zwischendurch mit "Sail on", das genauso wie das gesamte Programm des Abends noch mehr Zuhörer verdient gehabt hätte. Prägend für den Sound der Band ist ihre Hammond- Orgel. In den 70er Jahren noch oft im Jazz genutzt, habe sie im Blues noch nie wirklich eine Rolle gespielt, informierte Hoppe. Bedient von Michi Haid, betonte die Band mit dem legendär kreidigen Hammond-Sound ihre individuelle Note. Unter anderem mit B.B. Kings "Everyday I have the Blues" erfüllten Out of Blue nach gut drei Stunden die durch heftigen Applaus geäußerten Zugaben-Wünsche ihrer beschwingten Gäste.

Holzkirchener Merkur - 10.03.2007

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