Jeder Ton ist schon Melodie: Missionare im Namen des Blues
Out of Blue und die Ludwig Seuss Band nehmen die Besucher bei
der vierten Aichacher Blues-Nacht mit auf eine Reise zu den großen
Gefühlen
Aichach. Draußen regnete es in Strömen bei Temperaturen
knapp über dem Gefrierpunkt. Drinnen ist es warm, eng und stickig;
die Haut ist feucht, aber die Nässe kommt nicht von oben. Es hätte
auch ein Club irgendwo in New Orleans sein können und nicht der
voll besetzte Kenn I Di Saal mitten in Aichach, wo am Samstag
zwei großartige Bands Blues vom feinsten spielten.
Die Aichacher Formation "Out of Blue" hatte zum vierten Mal zu
ihrer jährlichen Blues Nacht geladen, bei der sie traditionell
ihr aktuelles Programm und eine überregional bekannte Gruppe präsentieren.
"Out of Blue" haben sich zum Ziel gesetzt, den Blues möglichst
vielen Menschen näher zu bringen, und sie nehmen ihre Mission
sehr ernst: Das beginnt beim liebevoll gemachten Webauftritt (www.outofblue.de),
setzt sich beim seriös schwarzen Bühnenoutfit fort und endet in
einer natürlichen, mitreißenden und niemals aufgesetzt wirkenden
Bühnenshow, bei der man jedem Musiker ansieht, wie viel Herzblut
er in die Band steckt. So ist es kein Wunder, dass auch die musikalische
Darbietung perfekt ist, ohne zu glatt geschliffen zu wirken -
massenkompatibler Blues im besten Sinne.
Rhythm'n'Blues-Nummern, langsamere Stücke und der Bläsersatz
bringen Abwechslung und erleichtern den Einstieg in die Welt des
Blues. Aber auch der bereits vom Blues überzeugte Zuhörer kommt
auf seine Kosten. So werden nicht etwa die großen Hits in der
x-ten Improvisation nachgespielt, sondern unbekanntere Songs von
Größen wie beispielsweise T-Bone Walker. Ganz klassisch wechseln
sich dabei Soli von Gitarre, Blues Harp und Saxophon mit dem kräftigen,
facettenreichen Gesang Adi Weidenbachers ab.
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Packender
Blues mit persönlicher NoteNoteNoteNote
Besonders Andreas
Reich an der Gitarre lebt den Blues: Er ist für das wichtigste
in der Musik zuständig, das Gefühl. Er arbeitet, schwitzt, verzerrt
sein Gesicht, quält sich und seine Gibson. Jeder Ton ist schon
Melodie, jedes Riff purer Blues, jedes Solo eine Hommage an B.B.
King.
"Out of Blue" haben ihre Mission erfüllt: Als sie sich nach
ihrem Auftritt vom Publikum verabschieden, steht ihnen die Freude
über die große Menschenmenge, die sie für ihr eigenes Bluesfestival
begeistern konnten, ins Gesicht geschrieben. Sicherlich ist aber
auch etwas Vorfreude dabei auf die zweite Kombo des Abends, die
sie sich und dem Publikum gönnen: Ludwig Seuss und Band präsentierten
speziellere Varianten des Blues.
Die Atmosphäre auf der Bühne wird dabei intimer, gleichzeitig
aber legerer. Schon allein die Anwesenheit eines Kontrabasses
auf der Bühne sorgt dafür, dass man zumindest in den ersten Reihen
den großen Saal immer mehr vergisst und die Vorstellung vom kleinen
Club im Süden der USA immer realer wird. Die Zuhörer rücken noch
näher an die Bühne heran, die Spannung ist groß, und wie bereits
in den letzten Jahren kann auch diesmal der Headliner die großen
Erwartungen erfüllen. Keiner im Publikum kann sich dem mitreißenden
Mix aus Boogie-Woogie-Nummern, Jump Blues und Zydeco Songs entziehen;
jetzt noch still stehen zu bleiben, ist praktisch unmöglich. Für
Liebhaber ein seltenes Erlebnis, diese Bluesvarianten auf derart
hohem Niveau erleben zu dürfen. Obwohl gleich von zwei Gitarren
flankiert, steht ganz klar der sympathische Ludwig Seuss im Mittelpunkt.
Egal ob am elektrischen Klavier, der Hammond-Orgel oder am Akkordeon.
Egal ob Solo oder als Begleitung im Hintergrund, immer wird die
außergewöhnliche Klasse dieses Musikers offensichtlich.
Aichacher Zeitung
- 11.04.2005
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